Zappanale #23

01.08.2012 - 04.08.2012, Bad Doberan

  

Dies ist mein ganz persönlicher Rückblick auf diese Zappanale:

 

Das sollte nun also das neue Konzept sein, mit dessen Hilfe der Fortbestand dieser kleinen aber feinen Veranstaltung gesichert werden sollte? Ganz sicher kein Bestandteil des Konzeptes waren die Terminverschiebung im Vorfeld und eine im Nachhinein doch durchgeführte Warm-Up-Party am Kamp. Dies sind Dinge, auf die der Veranstalter keinen Einfluss hatte aber dennoch zu Irritationen führte.

 

Deutlich mehr Verwunderung dann aber, als es plötzlich hieß, dass auch der als eigentliche Warm-Up-Party angesagte Mittwoch an der Rennbahn mit vollem Tagessatz kostenpflichtig war. Besucher mit Tagestickets für einen der Festivaltage, die bereits zu dieser Party anreisten, blieben auf dem Campinggelände. Niemand war bereit, € 68,- für vier mehr oder weniger unbekannte Bands auf der kleinen Bühne zu zahlen. Dies hatte zur Folge, dass auf dem Gelände gähnende Leere und deutlicher Unmut bei den Angereisten herrschte.

 

Wer nun dachte, die Situation würde sich am Donnerstag schlagartig ob des hochkarätigen Lineups (u. a. George Duke und Jean-Luc Ponty) ändern, irrte sich gewaltig. Nur wenige hundert Besucher verloren sich auf dem Gelände. Und das, obwohl die Zappanale noch nie eine so große Beachtung in der Presse fand, wie in diesem Jahr durch die von GZ initiierten Prozesse. Zum Abend hin waren es dann doch ca. 1.500 Besucher.

Wanderer, kommst Du nach Bad Doberan...

... siehst Du allüberall große bis überdimensionale Plakate von Alice Cooper, aber kein Einziges für die Zappanale!

 

Unmittelbar vor der Zappanale verbrachte ich gut zwei Wochen Urlaub in Graal-Müritz, nur wenige Kilometer von Bad Doberan entfernt. Bei Tagesfahrten war ich erstaunt über diese Art von Werbung. Schon in den Vorjahren waren nur wenig Plakate für dieses Festival zu entdecken ... nun aber gar nichts?

 

Dies muss mit dem neuen Konzept in Verbindung gebracht werden: Eine defizitäre Veranstaltung sollte finanziell aufgefangen werden durch Urlauber und aus der Region stammende Zuschauermassen in der Annahme, dass man diese mit einem "Star" wie Alice Cooper gewinnt. Das macht einerseits Sinn, andererseits werde ich aber das Gefühl nicht los, dass die Zappanale geradezu lieblos behandelt und sich in Hinblick auf Werbung voll und ganz auf die Berichterstattung in der Presse verlassen wurde.

 

Nun gut, Alice Cooper war im Laufe seiner Karriere immer mal wieder für ein paar Wochen in den Charts, dem standen jedoch monate- und jahrelange Auszeiten gegenüber. Ob er nun wirklich der Richtige für diese Strategie war?

Es kam ganz einfach nicht an...

Die klare Trennung von Zappanale und Heavy Guitar Day kam irgendwie nicht richtig bei den Festivalbesuchern an. Mit ein Grund dafür dürfte der Internetauftritt der Zappanale gewesen sein, auf dem Alice Cooper ebenfalls massiv beworben wurde. Gewohnt, dass eine Zappanale nun mal von Freitag bis Sonntag stattfindet, "grummelte" es bei den Besuchern, zumal der Sonntag ja auch aufpreispflichtig war.

 

Nun also eine Zappanale von Mittwoch (mit quantitativ äußerst dürftigem Programm) bis Samstag hieß außerdem: mehr Urlaub nehmen. Die - die dazu bereit waren - kamen, der "Rest" blieb weg ... und das waren nicht Wenige!

 

Was ich immer wieder zu hören bekam war: "Die Preisschraube mache ich nicht mehr mit!". Das empfinde ich gelinde gesagt als saublödes Argument. Lange gab es die Tickets im vergünstigten Vorverkauf für

€ 125,- und bis kurz vor der Zappanale für € 135. Sich in der Preisschrauben-Argumentation lediglich auf den Tagespreis zu beziehen ist m. E. eine ganz üble Nummer: Hauptsache, man hat was zu meckern.

 

Oh ja ... und dann war da ja kein Zelt, wie man es von Wacken, dem Nürburgring und anderen Festivals her gewohnt ist. Da muss man halt auch mal schnell soooo nen Hals kriegen und aus dem Verein austreten ... völlig ahnungslos, dass nicht der Verein der Ausrichter der Zappanale ist.

 

Dass im Nachhinein auch noch Beschwerden über die kostenpflichtigen Toilettenanlagen kamen, ist eine glatte Unverschämtheit. Auf ausdrücklichen Wunsch der Besucher früherer Zappanalen wurden diese zusätzlich(!) angeboten. Wer die regelmäßig gereinigten und stets sauberen Anlagen nicht bezahlen wollte, hatte jederzeit die Möglichkeit, es sich in einem Dixi bequem zu machen.

 

Immer wieder Gemosere über teure Bierpreise, Biersorte, Essenangebot, die Qualität der T-Shirts usw. kennt man ja schon von den letzten Jahren. Diesmal war es noch intensiver der Fall.

 

"What do you want here?" schrie jemand lauthals beim Auftritt von Triggerfinger. Unverschämtheit! Erstens haben alle gewusst, wer wann spielt und zweitens war das dann ja wohl der völlig falsche Ansprechpartner. Da kommen bei mir ganz üble Erinnerungen an die Z #19 auf, als jemand aus den Zuschauerreihen völlig zugedröhnt mit ähnlichen Worten die Kids der PGSOR angröhlte. Soviel Ignoranz und Intoleranz törnt mich dermaßen ab ... was bilden sich solche Leute nur ein? Und es sind die Gleichen, die abfeiern, wenn Tarentatec Zappa verhohnepiepeln und sein Werk durch den Kakao ziehen. Prima!

Nicht gut drauf!

Ein an allen Festivaltagen ziemlich leeres Gelände, im Vergleich zu den Top Acts des Vorjahres nur halb soviel Zuschauer bei Duke & Ponty oder Magma, eine für Alice Cooper perfekte aber für die Zappanale völlig überdimensionierte Bühne, und das ewige Genörgel trugen dazu bei, dass bei mir längst nicht die gute Stimmung aufkam, die ich in den Vorjahren hatte.

 

Oft kam ich ins Grübeln, woran es denn bei diesem neuen Konzept gelegen haben könnte, dass laut dpa ein sechsstelliges Minus eingefahren wurde. Und wenn ich das hier nun versuche zusammenzufassen, ist mir schon klar, dass dies als "alles Quatsch" abgetan werden wird. Und trotzdem trage ich mal ein paar Punkte zusammen:

 

Alice Cooper ist definitiv kein Top Act, mit dem man die Zappanale finanziell auffängt. Seit Jahren schlage ich vor, aktuelle Top Acts zu engagieren. Bitte schlagt mich jetzt nicht, aber Unheilig hatte ein paar Tage vor der Zappanale in Rostock 15.000 zahlende Zuschauer. Gut, dem Veranstalter gefällt Unheilig nicht, dafür ist er halt ein Fan von Alice Cooper... Bei einer strikten Trennung von Zappanale und Kommerz-Veranstaltung sollte Vieles an einem wie auch immer zu betitelnden Extraevent möglich sein. Hallo! Es dient der Finanzierung und dem Fortbestand "unseres" Festivals. Niemand ist gezwungen, ebenfalls dort anwesend zu sein.

 

Nun verspricht man sich, im nächsten Jahr evtl. mit Helge Schneider die Massen anzuziehen. Ich habe ihn in Hannover erlebt (mit Pete York an den Trommeln). Es kamen ca. 2.500 Besucher... Es gab Platz für gut 5000 Leute. Soviel zur Planung, Durchführung und finanziellem Erfolg!

 

Das Festival wurde in der Werbung durch Plakate nicht nur in der näheren Umgebung sträflich vernachlässigt. Bekannte von mir und ich selbst erhielten in diesem Jahr noch nicht einmal ein Zehntel der sonst üblichen Plakatmenge, dafür aber 500% mehr winzige, schön dunkle und kaum auffällige Aufkleber.

 

Die Zappanale entwickelte sich in den letzten Jahren immer mehr zu einer Recycling-Veranstaltung des Burg Herzberg Festivals. Zählt ruhig mal durch, welche Bands von diesem Jahr bereits auf der Burg spielten. Wer um Himmels Willen soll denn von dort noch die Reise nach Bad Doberan antreten, wenn sie/er schon fast alles gesehen hat?

Resümee

Trotz Nerverei, ein paar heftigen Regenschauern und meiner längst nicht so tollen Stimmungslage war es zumindest eine interessante Zappanale, was die Liste der Bands und Künstler anbelangt.

 

Die technische Aufwertung der kleinen Bühne und das z.T. qualitativ hochwertige Geschehen auf dieser möchte ich einmal hervorheben. Vielen Dank dafür an den Veranstalter.

 

Es war eine abenteuerlich bunte Mischung des Programms. Von Dudelei bis hin zu ziemlich anstrengend. Gerade das macht ja eine Zappanale aus. Jede/r sollte da doch etwas für sich herauspicken können und die Leute ganz einfach in Ruhe lassen, die manchmal anderer Meinung sind. Ich selbst gehe ja auch nicht zu Auftritten von Tarentatec und pöbele dort rum.

 

Das Schönste bei einer Zappanale ist und bleibt für mich das Wiedersehen mit all den netten Leuten, die sich hier Jahr für Jahr für ein paar entspannte Tagen bei "ihrer" Musik treffen. In diesem Jahr habe ich ein paar weitere super nette Leute kennengelernt.

 

Was ich zu den Bands und zur Ausstellung loswerden möchte, seht Ihr bei den Bildern, die nach und nach eingestellt werden.