PUT THE EYEBROWNS ON IT ... Eine Einführung von Robert Riedt

 

Im September ist es 20 Jahre her, dass Frank Zappa letztmals auf der Bühne stand. Die Arbeit mit dem Frankfurter Ensemble Modern war für ihn der Höhepunkt seines musikalischen Schaffens. Als 13-jähriger erwarb Zappa seine erste Langspielplatte - 'The complete works of Edgar Varèse'. Völlig begeistert beschäftigte er sich damals schon mit Kompositionstechniken und schrieb ein Jahr später seine erste Komposition 'Mice', ein Stück für Snare Drums.


In Interviews spottete er regelmäßig über das Rockbusiness, erklärte sogar, er mache diesen Zirkus nur mit, um seine wahre Leidenschaft - die 'ernste Musik' - zu finanzieren. Von 'ernster Musik' zu sprechen, klingt bei Zappa doch recht seltsam und so einfach lässt sich der Meister auch nicht in ein Schema pressen. Ob mit den 'Mothers' der 60er Jahre, den Big Bands der frühen Siebziger oder den Rockgruppen bis in die späten Achtziger, stets wurden Elemente aus Rock, Jazz, Pop und Klassik vermischt. Genau das versuchte er auch bei seinen Arbeiten mit Orchestern. Es gibt also keinen 'ernsten Zappa' - es ist alles einfach nur 'Zappa'. Er selbst bezeichnete seine Musik einmal als 'konzeptionelle Kontinuität' und erklärte, alles was er bisher gemacht habe, ließe sich zu einer einzigen Komposition zusammenfügen.

 

Auch wenn sich Zappa auf der Bühne gerne als Komiker gab, so überwachte er die Aufführung seiner Werke stets als strenger Perfektionist. Es war nicht nur die neue, vielfältige Instrumentierung, die ihn dazu bewegte, Kontakte zu Orchestern zu suchen. Er erwartete von renommierten Berufsmusikern auch außergewöhnliche Leistungen. Meist war er im Anschluss an derartige Projekte sehr enttäuscht. Ausgiebige Proben, wie sie Zappa von seinen Bands gewohnt war, konnten nicht nur aus finanziellen Gründen nicht durchgeführt werden. Auch fehlte den Musikern aus seiner Sicht  jegliches Interesse an seiner Arbeit. Seine Erfahrungen mit Orchestern fasste Zappa in seiner 1989 verfassten Autobiografie als 'Orchesterblödheiten' zusammen und konzentrierte sich ab Mitte der 80er Jahre auf die Arbeit mit dem Synclavier, einem computerunterstütztem System zur Klang-erzeugung. Damit war er in der Lage, seine Werke mit der von ihm geforderten Präsizision in Eigenregie zu erstellen.

 

Er muss wohl das menschliche Element vermisst haben, als er das Ensemble Modern nach Los Angeles einlud. Dieses hatte unter der Leitung von Andreas Mölich-Zebhauser bei Zappa um ein gemeinsames Projekt geworben und ihm einige ihrer Aufnahmen geschickt. Zappa war von der Arbeit des Ensembles begeistert.

 

1991 kam es schließlich zum ersten Treffen. Völlig unklar, wie das Projekt gestaltet werden soll, wurden an mehreren Improvisationstagen Grenzen gesucht. In einer späteren Pressekonferenz erklärte Zappa: 'Es gibt nichts, was dieses Ensemble nicht spielen kann - und das ist erstaunlich'.

 

Nach der ersten Probephase in den Staaten konnte ein gemeinsames Programm erarbeitet werden. Zappa hatte dabei Unterstützung von Ali N. Askin, der mehrere Monate in Franks Haus verbrachte und die Arrangements für das Ensemble erstellte. Es folgte eine zweite Probephase in Frankfurt, wobei stets, wie es Zappa schon mit seinen Bands praktizierte, Neues ausprobiert und improvisiert wurde. Zappa genoss nicht nur die Fertigkeiten des Ensembles und dessen Motivation, er bediente sich auch Ihrer menschlichen Elemente und forderte die Musiker mit Anweisungen wie 'put the eyebrowns on it' auf, den Kompositionen Gestalt zu geben und den Humor aus der Musik zu kitzeln.

 

Durch die Arbeit mit dem Ensemble Modern schloss sich für Frank Zappa ein Kreis. Sein erstes Soloalbum 'Lumpy Gravy' von 1968 fand in der Veröffentlichung 'Civilization Phase III' seinen Abschluss. Kurz vor seinem Tod erfüllte sich Zappa einen lebenslangen Traum: die Neueinspielung der Kammermusikwerke von Edgar Varèse. Mit dem Ensemble Modern standen ihm dafür die besten Avantgardmusiker dieser Zeit zur Verfügung.

   

Lothar Taube malt in den Ausstellungsräumen

  

Lothar Taubes Bilder in der Ausstellung

  

Ein Blick in Lothar Taubes Zeichenmappe

  

Auch Helmut King war mit einigen Exponaten vertreten