Zappanale #24 - Samstag, 03.08.2013

  

Nach dem allmorgendlichen Besuch der Ausstellung fand ich mich zum Vortrag von Jim Cohen auf dem Festivalgelände ein. In gewohnt lässiger und sehr unterhaltsamer Art berichtete Jim über das Verhältnis von Zappa zur Unterhaltungsindustrie und diversen Hollywood-Machenschaften.

  

Jim Cohen

  

Den Opener zum heutigen Festivaltag machten COOGAN´S BLUFF mit eingängigem Rock der 60er und 70er Jahre, den sie mutig mit Stilelementen der 90er mischten. Harte Riffs wechselten sich mit eingängigen Rhythmen ab. Manchmal kam etwas Motorpsycho zutage, dann wieder bodenständiger Rock nach Golden Earring Manier. Ein guter Einstieg für das, was noch kommen sollte...

  

Coogan´s Bluff

  

Nun also TAP DANCE auf der Mystery Stage ... völlig ahnungslos, was Stepptanz auf einer Zappanale zu suchen haben könnte, machte ich mich auf den Weg und schon weit vor meinem Ziel hörte ich opernhaften Gesang. Hmmm ... Wechsel im Programm? ALLI BACH sang gerade "The Dangerous Kitchen" und das umwerfend gut! An ihren Schuhen erkannte ich, dass sie selbst auch den Stepptanz bieten wird. Aber seht selbst. Eine beeindruckende Interpretation von "The Black Page"...

  

  

Ja ja ... so kann´s gehen. Da wird die KAZUTOKI UMEZA KIKI BAND aus Japan im Programmheft mit folgenden Worten angekündigt: "... Da ist Jazzrock, der improvisativ in avantgardistische Felder und Free Jazz bricht, in folkige Leichtigkeit und schneidend harten Progressive Rock mit erheblicher Komplexität wechselt..."

 

Wie bitte? Wenn´s für eine Band derart verschachtelte Sätze braucht, um sie zu beschreiben, ist mir schon klar, wie ich mich verhalten werde: Flucht! Das kann niemals mein Ding sein.

 

Und was war? SHIT!!! ... die waren gut, begnadet, umwerfend, erfrischend ... so einfach hätte ich sie beschrieben. Warum muss man derart locker gespieltes Zeugs nur so kompliziert machen? Insgesamt eine große Entdeckung für mich, die meinen musikalischen Kosmos bereichert hat.

   

Kazutoki Umeza KIKI Band

  

Eine Stunde böhmische Polka stand nun auf dem Programm. POLKA STRENG spielten Blasmusik in Minimalbesetzung mit zwei Trompeten, einem Baritonsaxophon und Rockband. Was für ein Spaß! (Und hier schon wieder ein Lob an die Programmgestalter, die dafür sorgten, dass in diesem Jahr nicht alles so bierernst genommen werden sollte.)

  

Polka Streng

  

Dann war es endlich soweit. Die Headliner standen an: THE BANNED FROM UTOPIA mit Robert Martin, Ray White, Mike Miller, Ed Mann, Tom Fowler, Albert Quon Wing und Ralph Humphrey. Eine in der Tat sensationelle Band-Verpflichtung.

 

Doch es ist wie so oft im Leben: Am Ende zählt das, was hinten dabei rauskommt. Und das war in diesem Fall glattweg eine Enttäuschung. "Da spielt ja jede deutsche Coverband besser" ... "Musikalisch ganz mau" und Ähnliches hörte ich nach dem Auftritt. Tatsächlich waren die Herren weder textsicher, noch besonders gut aufgelegt, was wohl daran lag, dass sie in dieser Formation lange nicht mehr gemeinsam spielten. Vielleicht war auch unsere Erwartungshaltung zu hoch?

   

  

So ... wenn jetzt wieder so ne Enttäuschung kommt, bin ich aber schwer angepi....! Mit der amerikanischen Formation THE Z THREE kam nun endlich die Band, auf die ich mich in diesem Jahr besonders freute. Und irgendwie war ich auch etwas angespannt, trug ich doch selbst dazu bei, dass es zu diesem Auftritt kam.

 

Bei meiner täglichen Recherche im WWW fand ich vor einiger Zeit zwei Videos (dieses und dieses). Sofort schickte ich die Links an Thomas Dippel, den damals noch Vorsitzenden der Arf Society und legte ihm ziemlich aufdringlich nahe, diese Band für die Zappanale #24 zu verpflichten. Zwei Tage später kam die Antwort: "Wir haben sie!"

 

Eingangs erzählte ich Euch ja schon, dass diese Zappanale drei Sensationen hatte. Und alle drei standen hier und heute auf der Bühne. Unfassbar, was sich von 0:30 bis in die frühen Morgenstunden auf und vor der Mystery Stage abspielte. Sowas hat es m. E. noch nie gegeben.

 

Zappas Musik derart erfrischend und rotzfrech gespielt. Titel, die wohl noch nie, bzw. nur sehr selten gecovert wurden und Halt! ... gecovert? Nein! Mit Leib und Seele dargeboten von Fans für Fans. Wir kennen das ja, wie sich so manche Band bemüht, sich dem Werk des Meisters zu nähern. Hier war von Bemühen absolut nichts zu spüren. Eher Unbedarft- und Lockerheit. Die drei haben diese Musik ganz einfach in sich und hauen sie völlig losgelöst raus.

 

Für 2:30 Uhr war eigentlich das Ende dieses Gigs angesetzt ... keine Chance! Wieder und wieder wurden die drei hervorgejohlt und es ging schließlich bis vier Uhr morgens. Am nächsten Tag sprach alles von den drei Jungs und alle, die dieses Ereignis erlebten, wünschen sich The Z Three für´s nächste Jahr wieder.

  

Tim Palmieri

  

Bill Carbone

  

Beau Sasser

  

  

=> vierter Tag