Die Ausstellung im Rahmen der Zappanale #27: 50 Jahre

  

Flipp einfach aus und lass es raus! – 50 Jahre Freak Out!

Das war mehr als nur ein Aufschrei, als Frank Zappa vor 50 Jahren am 27. Juni 1966 die prüden und bereits von den Hippies angewiderten Amerikanern die Freak Out! Scheiben um die Ohren knallte. „Damit hätten sie uns nicht quälen müssen!“ erregte sich Bob Levinson in seiner Rezension im Los Angeles Herald Examiner direkt nach Erscheinen des Albums über die „Gesangsgruppe“ Mothers Of Invention. Und weiter: „Diese `Mütter´ haben zwei Schallplatten und eine Plattenhülle unbeschreiblich schlechtem Geschmacks mit 80 Minuten Müll verschwendet.“

 

Im Juli 1966 klärte Loraine Alterman die Leser des Free Press Teen Writer über die ungeheuerlichen Neuigkeiten in der Musikszene auf: „Mütter und Väter, Ihr dachtet, die Beatles sind übel. Ihr seid in Aufruhr wegen der Rolling Stones. Sonny & Cher haben Euch zusammenzucken lassen. Lassen Sie es mich so ausdrücken: So etwas habt Ihr noch nicht gesehen. Die Mothers Of Invention sind da, mit einem Album namens Freak Out! (man sagt, es hätte besser Flake Out! (Werde Ohnmächtig!) heißen sollen).“

 

Niemals zuvor sprach jemand so unverblümt über Pubertät, stellte Liebe in Frage, kritisierte mittels scharfer Politsatire den American Way Of Life, provozierte mit Verbalattacken die inzwischen bereits fest etablierte Hippieszene oder, was vielleicht zu der damaligen Zeit der Großangriff auf das amerikanische Establishment schlechthin war: die Konfrontation der US-Amerikaner mit ihrer Rassendiskriminierung, insbesondere der Umgang der Medien mit diesem Thema.

 

Auch wenn Präsident Lyndon B. Johnson sehr engagiert den Afroamerikanern zu mehr Chancengleichheit verhelfen wollte, kam das bei der Bevölkerung noch lange nicht an. Die Rassenunruhen vom 11. August 1965, bei denen über 30 Menschen starben, verarbeitete Zappa in dem Stück „Trouble Every Day“. Den inhaltlichen Schwerpunkt in diesem Titel legte Zappa auf die Manipulationen der Medien mit all ihren gezielten Fehlinformationen.

 

Klar, dass damals kein amerikanischer Radiosender wagte, Titel dieses Machwerks zu spielen. Heute weiß man (auch in den Staaten!), dass Freak Out! im Jahr 1966 eine Revolution der Musikgeschichte und den kritischen Umgang mit dem amerikanischen System einläutete.

 

Die Ausstellung im Rahmen der Zappanale #27 erinnert an das Erscheinen dieses ersten Werks von Frank Zappa mit den Mothers Of Invention vor genau 50 Jahren. Bis heute erschienen über siebzig zum Teil sehr unterschiedliche Versionen auf Vinyl und CD von Freak Out!

 

Kam Freak Out! in den Staaten und Canada als erste Rock-Doppel-LP der Welt auf den Markt, mussten sich die Europäer erst ein Jahr später bis 1971 mit einer Einzel-LP-Version begnügen. Erst in diesem Jahr erschien in England das vollständige Werk als Doppel-LP mit den hier bis dahin unbekannten Titeln „Go Cry on Somebody Else’s Shoulder“, „How Could I Be Such a Fool?“ und „Any Way the Wind Blows“. Und „Trouble Every Day“ konnte erstmals in voller Länge gehört werden.

 

Nicht unmittelbar von der Thematik der Songs betroffen, waren die Aussagen der europäischen Kritiker wesentlich differenzierter, setzten sie sich doch nicht nur mit den Texten, sondern mehr mit dem musikalischen Material auseinander. Urban Gwerder bemerkte, dass Freak Out! die ganze Rock-Kultur und zeitgenössische Musik einschneidend umkrempelt. Carl-Ludwig Reichert stellte fest, dass das Album einen nicht hoch genug einzuschätzenden Beitrag zur subjektiven Befreiung von in den Zwängen westlicher Kulturen gefangenen Jugendlichen beiderlei Geschlechts leistet.

 

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So, das war der Promotext. Wer nicht hier war ... hier ein paar Beispiele der Ausstellung:

  

  

What is “Freaking Out”

 

On a personal level, Freaking Out is a process whereby an individual casts off outmoded and restricting standards of thinking, dress, and social etiquette in order to express CREATIVELY his relationship to his immediate environment and the social structure as a whole.  Less perceptive individuals have referred to us who have chosen this way of thinking and FEELING as “Freaks,” hence the term: Freaking Out.

 

 

On a collective level, when any number of “Freaks” gather and express themselves creatively through music or dance, for example, it is generally referred to as a FREAK OUT.  The participants, already emancipated from our national social slavery, dressed in their most inspired apparel, realize as a group whatever potential they possess for free expression.

 

 

We would like to encourage everyone who HEARS this music to join us…become a member of The United Mutations…FREAK OUT!

Was ist "Ausflippen"

Auf der individuellen Ebene ist Ausflippen ein Prozess, bei dem ein Individuum sich von unmodernen und einschränkenden Standards des Denkens, Kleidens und den gesellschaftlich anerkannten Umgangsformen loslöst, um auf eine KREATIVE Art und Weise seine Beziehung zu seiner unmittelbaren Umgebung und der sozialen Struktur als eine Einheit, Ausdruck zu verleihen. Weniger verständnisvolle Individuen bezeichnen uns, die diesen Weg des Denkens und des FÜHLENS gewählt haben, als Freaks - daher der Ausdruck: Freaking Out.

Auf einer kollektiven Ebene nennt man das generell AUSFLIPPEN, wenn sich zum Beispiel irgendeine Anzahl von "FREAKS" zusammenrottet und sich kreativ durch Musik oder Tanz ausdrückt. Die Teilnehmer, die sich bereits von unserer nationalen sozialen Sklaverei frei gemacht haben, angezogen mit ihrer inspirierendsten Kleidung, erkennen, welches auch immer geartete Potential sie als Gruppe zu einer freien Ausdrucksweise besitzen.

Wir möchten jedermann, der diese Musik HÖRT, ermuntern, uns beizutreten... werde Mitglied der Vereinten Mutanten... FLIPPT AUS!

  

Die "Who the F@%k is…Wall" - Die 179 Namen derer, die Zappa beeinflussten und die im Innencover von Freak Out! gelistet sind.

  

Pamela Zarubica, Art Laboe, Hal Zeiger, Jim Guercio, Henry Vestine, Alice Stewart, Lillian Rudolph, Mark Cheka, Herb Cohen, Tom Wilson, Fyllis, Lucille, Jack Tillar, Don Cerveris, Vic Mortenson, Terry Kirkman, Frankie Lee Simms, Sonny Boy Williamson, Buddy Guy, Albert Collins, Little Walter, Maurice Ravel, Joe Polly, Don & Dewey, Lee Zagon, Steve Mann, Skip Diamond, Silvestre Revueltas, Arnold Schoenberg, Joe Perrino, Jerry Hillberg, Donna #1, Donna #2, Loeb & Leopold, Sacco & Vanzetti, Gene & Eunice, Robert Craft, Carl Greenhouse, Dave Aerni, Bob Keene, Nick Venet, Jim Economides, Alvis Haba, Leo Ornstein, Elvis Presley, Barry McGuire, Don Julian, Tiny Tim, Cordwainer Smith, Theodore Sturgeon, Robert Scheckley, Randy De Wees, Dick Barber, Eberhard Kronhausen, Yves Tanguy, Lenny Bruce, Ravi Shankar, Chatur Lal, N.C. Mullick, Jules Feiffer, The Bokelmans, Floyd, Ernie Tosi, Shirley Eiler, Mr. Ballard, Brian Epstein, David Crosby, Herman Rudin, Joe De Santis, Bruce Gordon, Frank DeCova, Roland Kirk, Wolfman Jack, Snuff Garrett, Molly Bee, Ernie Freeman, Lew Irwin, Fred C. Dobbs, John Tasker Howard, Cecil Forsythe, Charles Brown, James Joyce, George Di Carl, Diane Baker, Melvin Belli, Bulent Arel, Maurice Kagel, Leonard Allen, Dr. Brossman, Jerry Murnane, Uncle Ed, The Hypnotist, Animal Huxley, Salvador Dali, Vincent Persichetti, Carol, Sabicas, Charles Middleton, Lance Reardon, Sabu, J. Arthur Rank, Luigi Nono, Sylvia Brigham, Steffie, Avedis Zildjian, Little Arthur Matthews, Bob Dylan, Joan Baez, Bill Stulla, Rosemarie De Camp, Bobby Jamieson, B. Mitchell Reed, Cordy, Ruthie, Joyce, Jesse Kaye, Phil Spector, Evy, Lynn Johnson, Pete, Leonard Gorrzyca, Don Vliet, Pepper, Lauren, Charles Mingus, Pierre Boulez, Anton Webern, Igor Stravinsky, Willie Dixon, Guitar Slim, Edgar Varese, Muddy Waters, Howlin’ Wolf, Elmer Valentine, Phil Tanzini, John Beck, Mario, Bob Reiner, Eric Dolphy, Bram Stoker, Cecil Taylor, Bill Evans, Johnny Otis, Preston Love, Slim Harpo, Karl Kohn, Bob Narciso, Johnny Guitar Watson, Tim Sullivan, Sonny Tufts, John Wayne, Clarence Gatemouth Brown, Junior Madeo, Jeff Harris, Bobby Atler, Daddy-O Curtis Crump, Karlheinz Stockhausen, Joe Huston, Chuck Higgins, Big Jay McNeely, Jim Sherwood, Sandy Schwanekamp, Nadine Reyes, Kaye Sherman, Donald Woods, Richard Berry, Huggy Boy, Vernon Greene, Hunter Hancock, Willie Mae Thornton, Lightnin’ Slim, Roger Huntington Sessions, Charles Ives, Lawrence Ferlinghetti, Terry Wimberly, Johnny Franklin, Teddy Bunn, Jeepers, Paul Buff.

  

  

VIDEO: The Freak Out List

  

Bilder einer Ausstellung

zu sehen waren u. a. die Original Master Tapes des Albums

  

  

Aus Frank Zappas Liner Notes: Bemerkungen zu den Musikstücken

Hungry Freaks Daddy

... wurde für Carl Orestes Franzoni geschrieben. Er ist freakig bis zu den Zehennägel. Eines Tages wird er in deiner Nachbarschaft leben und dein Garten wird krepieren. Hau aus der Schule ab, bevor dein Verstand durch unser mittelmäßiges Bildungssystem verrottet. Vergiss den Schulabschlussball und geh in die Bibliothek und unterrichte dich selbst wenn du genug Mumm hast. Manche von euch mögen Solidaritätsveranstaltungen und Plastikroboter, die euch sagen, was ihr lesen sollt. Vergiss, dass ich es erwähnt habe. Dieser Song hat keine Message. Erhebt euch und grüßt die Flagge.

 

I Ain‘t Got No Heart

... ist die Zusammenfassung meiner Gefühle in sozio-sexuellem Zusammenhang.

 

Who Are The Brain Police?

... Um fünf Uhr morgens hat mir das irgendjemand geflüstert und mich dazu gebracht, es aufzuschreiben. Ich muss zugeben, mir wird bange, wenn ich das mal laut spiele und die Texte singe.

 

Go Cry On Somebody Else‘s Shoulder

... ist ziemlich schmalzig. Das solltest du dir nicht anhören. Das solltest du dir in die Haare schmieren.

 

Mothery Love

... ist ein Werbesong für die Körper der Bandmitglieder. Den haben wir auf Konzerten gesungen um das weibliche Publikum auf das mögliche Vergnügen aufmerksam zu machen, das die Kontaktaufnahme mit uns mit sich bringen könnte. Unbedeutende Kacke.

 

How Could I Be Such A Fool

... basiert auf einen abgeänderten Nanigo-Rhythmus. Wir nennen es Motown-Walzer. Es bleibt stets beim 3/4-Takt, aber verändert sich Schritt für Schritt in der Klangfarbe. Für dich als amerikanischer Teenager (als Amerikaner) ist das ohne jede Bedeutung. (Ich hab mich nur immer gefragt, ob ich einen Love-Song schreiben kann.)

 

Wowie Zowie

... ist behutsam so gestaltet, dass der 12jährige Hörer in unser Lager gezogen wird. Ich mag die Klavier- und Xylophonbegleitung im zweiten Refrain. Sie ist so heiter, so unverfänglich. Wooly Bully. Little Richard meinte, er mag es.

 

You Didn‘t Try To Call Me

... wurde geschrieben, um die Situation zu beschreiben, in der sich Pamela Zarubica letzten Frühling befand. (Wowie Zowie ist das, was sie sagt, wenn sie nicht grantig ist ... wer hätte gedacht, dass daraus ein Song entsteht? Keiner hätte das vermutet. Keiner von euch ist scharfsinnig genug. Warum liest du das eigentlich?) Der formelle Aufbau von You didn‘t try to call me ist nicht revolutionär, aber interessant. Dir kanns egal sein.

 

Any Way The Wind Blows

... ist ein Song, den ich vor drei Jahren in Anbetracht meiner Scheidung geschrieben habe. Wenn ich nicht geschieden worden wäre, wäre dieser unbedeutender Blödsinn nie aufgenommen worden. Es ist Teil dieser Kollektion, weil, zusammenfassend, Kinder, es ... wie soll ich mich ausdrücken ... es mich intellektuell und emotional zugänglich macht. Hah! Vielleicht ist das sogar ganz auf deiner Linie!

 

I‘m Not Satisfied

... ist okay und sicher und wurde genau in der Absicht gestaltet.

 

You‘re Probably Wandering Why I‘m Here

 

Trouble Every Day

... beschreibt meine Gefühle für Rassenunruhen im Allgemeinen und die Situation in Watts im Besonderen. Es wurde geschrieben, als sich die Watts-Unruhen entwickelten. Ich habe es kurzzeitig in ganz Hollywood angeboten, aber keiner wollte es haben ... es tat jedem so leid, keine Sendezeit übrig zu haben. Oje, oje.

 

Help I‘m A Rock

... ist Elvis Presley gewidmet. Beachtet die interessante formelle Struktur und die umwerfende vierstimmige Friseursalon-Harmonie gegen Ende. Beachtet das deutliche Fehlen von kommerziellem Potential. Gähn.

 

The Return Of The Son Of Monster Magnet

... (Unvollendetes Ballet in zwei Bildern)

I. Ritueller Tanz des Kindermörders

II. Ohne Bedeutung (ohne kommerzielles Potential)

So hören sich Freaks an, wenn man sie um ein Uhr nachts in einem Aufnahmestudio auf eine gemietete Percussionanlage im Wert von US$ 500 loslässt. Heiss!

  

  

div. CD Releases

  

  

  

1966

Das Musikjahr 1966 leitete David Jones ein. Dieser benannte sich schlicht in David Bowie um. Er tat dies, um weitere namentliche Verwechslungen mit Davy Jones auszuschließen. Davy Jones war Mitglied der Band „The Monkeys“.

 

7. Januar: In einer Erklärung unterstützt die Bundesregierung den Eintritt der USA in den Vietnamkrieg.

 

17. Januar: Südspanien entgeht einer atomaren Katastrophe, als über Palomares ein B-52-Bomber der US-Luftwaffe mit einem Tankflugzeug kollidiert. Vier Plutoniumbomben fallen vom Himmel und werden in aufwändiger Suche geborgen, das Absturzgebiet ist durch freigesetzte Strahlung verseucht.

 

18. Januar: Vom Obersten Gerichtshof der USA in Washington war ein Urteil gefällt worden, in dem erstmals die Rassentrennung in öffentlichen Parks grundsätzlich verboten worden war.

 

19. Januar: In Indien wird die von der Kongresspartei nominierte Indira Gandhi zur ersten Premierministerin gewählt.

 

25. Januar: Erstmalige Vergabe der Goldenen Kamera (für das Fernsehjahr 1965)

 

1. Februar: In Frankreich tritt ein Gesetz über die volle juristische Gleichberechtigung der Frauen in Kraft.

 

5. Februar: Bundesligaprofi Sigfried Held weiht die Torwand des ZDF-Sportstudios ein.

 

8. Februar: Präsident Lyndon B. Johnson trifft sich in Honolulu mit Vertretern Südvietnams und unterzeichnet eine Erklärung, nach der „die kommunistische Aggression zurückgewiesen und für das Volk in Südvietnam die Voraussetzungen für eine bessere Zukunft geschaffen werden sollen“.

 

1. März: Die Weltraumsonde Venus 3 der UdSSR erreicht als erster irdischer Flugkörper nach dreimonatigem Flug die Venus.

 

4. März: Der Musiker John Lennon gibt dem Londoner Evening Standard ein Interview, in dem er unter anderem in Bezug auf die Beatles behauptet: We’re more popular than Jesus now. Die Äußerung führt in den USA zu heftigen Reaktionen. Radiostationen boykottieren Beatles-Lieder.

 

17. März: Im Stadtteil Watts, dem Schwarzenviertel von Los Angeles (US-Bundesstaat Kalifornien), waren schwere Rassenunruhen ausgebrochen, nachdem am Vortag ein schwarzer Junge verhaftet worden war, der einen Stein gegen das Auto eines weißen Lehrers geworfen hatte. Bei den anschließenden blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei waren 26 Personen verletzt worden.

 

8. April: Leonid Breschnew wird zum Generalsekretär der KPdSU ernannt.

 

14. April: Der Schweizer Pharmakonzern Sandoz, der einzige Hersteller der Droge LSD, hatte in den USA die Auslieferung des Narkotikums eingestellt, das nur noch für medizinische Zwecke verwendet werden durfte. Die noch vorhandenen Bestände waren der US-Regierung übergeben worden.

 

2. Mai: US-Verteidigungsminister Robert McNamara hatte vor dem verteidigungspolitischen Ausschuss des US-Senats, erklärt, dass Washington keine formelle Kriegserklärung gegen Nordvietnam beabsichtige. Präsident Lyndon B. Johnson würde die „kommunistische Aggression“ kraft seiner verfassungsmäßigen Ermächtigungen bekämpfen können. In der sogenannten Tonking-Golf-Resolution war Johnson 1964 vom Kongress bevollmächtigt worden, in Südostasien „alle notwendigen Schritte, einschließlich des Gebrauchs bewaffneter Macht“, zu unternehmen.

 

10. Mai: Der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß hatte auf einer Südafrika-Reise die Apartheidpolitik der Regierung in Pretoria verteidigt.

 

16. Mai: Bob Dylans Album Blonde on Blonde erscheint in den USA und Geburt von Janet Jackson, US-amerikanische Sängerin. Ebenfalls konnten sich an diesem Tag die Fans der Beach Boys endlich über ein neues Werk ihrer Idole freuen. Das neue Album „Pet Sound“ schlug ein wie eine Bombe und verhalf der Band zu neuer Popularität.

 

28. Mai: Der TSV 1860 München wird deutscher Fußballmeister.

 

29. Mai: Die USA und Thailand unterzeichnen einen neuen Freundschaftsvertrag, 20.000 US-Soldaten stehen wegen des Vietnamkriegs im Land.

 

30. Mai: Die erste US-Raumsonde der Surveyor-Serie, Surveyor 1, beginnt ihren Flug zum Mond, wo sie drei Tage später im Oceanus Procellarum weich landet und Bilder liefert.

 

26. Juni: Der Schweizer Kanton Basel-Stadt führt das Frauenwahlrecht ein.

 

29. Juni: Die Vereinigten Staaten hatten erstmals die nordvietnamesischen Städte Hanoi und Hai-phong bombardiert. Dort befanden sich die größten Öldepots des Landes.

 

30. Juni: Geburt von Mike Tyson, US-amerikanischer Schwergewichts-Boxer.

 

6. Juli: Der 73-jährige Parteivorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), Mao Zedong, hatte den 6 km breiten Jangtsekiang durchschwommen. Mit dieser Kraftleistung wollte der Politiker Gerüchte über seinen schlechten Gesundheitszustand öffentlich widerlegen.

 

12. Juli: In Chicago (US-Bundesstaat Illinois) waren schwere Rassenunruhen ausgebrochen. Sie weiteten sich auf verschiedene Großstädte der Vereinigten Staaten aus. Hintergrund waren die gravierenden sozialen Probleme in den Slums der Stadt. Die Proteste waren blutig niedergeschlagen worden.

 

17. Juli: Der nordvietnamesische Staatspräsident Ho Chi Minh hatte die Teilmobilmachung der Streitkräfte zur verstärkten Unterstützung der Vietcong in Südvietnam angeordnet.

 

20. Juli: In Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) war nach zweitägigen Rassenunruhen, in deren Verlauf die Polizei zwei Schwarze erschossen hatte, der Ausnahmezustand verhängt worden. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung waren 1.500 Angehörige der Nationalgarde eingesetzt worden.

 

29. Juli: Unvermittelt hatten die USA ihren Luftkrieg gegen Nordvietnam verschärft. In 350 Einsätzen hatten sie Flugzeuge der Luftstreitkräfte und der Marine einen ununterbrochenen Bombenhagel auf Nachschubwege und Treibstoffdepots der kommunistischen Regierung niedergehen lassen.

 

30. Juli: Fußball-Weltmeisterschaft: England wird durch einen 4:2-Sieg nach Verlängerung in einem dramatischen Endspiel (Wembley-Tor) gegen Deutschland erstmals Fußball-Weltmeister.

 

18. August: Im Falle einer Ausweitung US-amerikanischer Bombenangriffe auf Nordvietnam hatte das sowjetische Verteidigungsministerium mit dem Einsatz seiner Luftwaffe gedroht.

 

19. August: In der Volksrepublik China beginnen die Roten Garden nach Lin Biaos Aufforderung vom Vortag die Kampagne Zerschlagt die Vier Alten. Die Kulturrevolution kommt ins Rollen.

 

24. August: Während eines Pressegesprächs im Weißen Haus in Washington hatte US-Präsident Lyndon B. Johnson erklärt, dass er eine Konferenz der asiatischen Staaten zur Beilegung des Vietnam-Konflikts unterstützen werde.

 

29. August: Letzter gemeinsamer Auftritt der Beatles in San Francisco.

 

6. September: Der südafrikanische Ministerpräsident Hendrik Frensch Verwoerd, der als Hauptarchitekt der Apartheid galt, war bei einer Parlamentssitzung in Kapstadt von einem Parlamentsangestellten mit vier Messerstichen ermordet worden.

 

8. September: TV-Premiere der Serie Star Trek in den USA.

 

19. September: Die Partei- und Staatsführung der Volksrepublik China hatte einen zeitweiligen Stopp der „Großen Proletarischen Kulturrevolution“ verfügt. Die „Roten Garden“ waren zum Ernteeinsatz aufs Land geschickt worden. Die fanatisierten Hilftruppen Maos hatten das Land an den Rand des Zusammenbruchs geführt.

 

22. September: Die USA hatten die Einstellung der Bombenangriffe auf Nordvietnam und den Abzug ihrer Truppen angeboten, falls die nordvietnamesischen Soldaten ihrerseits aus Südvietnam abziehen würden.

 

5. Oktober: Der mit fünf Oscars ausgezeichnete US-Film „Doktor Schiwago“ nach dem gleichnamigen Roman von Boris Pasternak hatte in Frankfurt am Main (Hessen) seine Deutschland-Premiere.

 

9. Oktober: Geburt David Cameron, britischer Politiker

 

15. Oktober: Die Mannschaft der DDR hatte vorzeitig die vorolympischen Spiele in Mexico City verlassen. Ihr war vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) untersagt worden, unter der Bezeichnung DDR anzutreten. Das IOC hatte verlangt, die DDR, die bis 1964 mit der Bundesrepublik in einer Mannschaft antrat, sollte fortan unter der Bezeichnung „Ostdeutschland“ teilnehmen.

 

20. Oktober: Geburt von Stefan Raab, deutscher Showmaster, Comedian, Entertainer und Produzen.

 

23. Oktober: Polen 1966 – Das polnische Fernsehen hatte verärgert auf eine Wettervorhersage des BRD-Fernsehens reagiert, in der die ehemaligen deutschen Ostgebiete mit Stettin (Szczecin) und Breslau (Wroclaw) eingezeichnet waren. Um die „revisionistischen Tendenzen“ in der Bundesrepublik bloßzustellen, hatte der Ansager eine Wettervorhersage für Köln und Hamburg bekanntgegeben.

 

3. November: Bei der größten Demonstration seit Gründung der Volksrepublik China 1949 waren rund 2 Millionen Menschen acht Stunden lang durch die Straßen Pekings gezogen. Sie huldigten dem von Parteichef Mao Zedong eingeleiteten politischen Umschwung in der „Großen Proletarischen Kulturrevolution“.

 

11. November: Erstmals wird im Bundesstaat Mississippi ein Weißer wegen Vergewaltigung einer Schwarzen verurteilt; die gesetzlich vorgeschriebene Todesstrafe wird in lebenslange Haft umgewandelt.

 

20. November: Der Schweizer Kanton Zürich stimmt in einer Volksabstimmung gegen das Frauenwahlrecht.

 

23. November: Die ungarische KP-Zeitung „Népszabadság“ hatte aus Hanoi berichtet, dass seit dem Einsetzen der US-amerikanischen Bombardements drei Viertel der Einwohner der nordvietnamesischen Hauptstadt evakuiert worden seien. Nur noch rund 190.000 Menschen lebten nun dort.

 

30. November: Bundeskanzler Ludwig Erhard war von seinem Amt zurückgetreten, nachdem seine Partei und die SPD einen Tag zuvor die Bildung einer Großen Koalition besiegelt hatten.

 

15. Dezember: Todestag von Walt Disney, US-amerikanischer Trickfilm-Produzent.

 

16. Dezember: In einem Protesttelegram hatten 56 britische Labour-Abgeordnete US-Präsident Lyndon B. Johnson aufgefordert, die „Bombenangriffe auf Hanoi, die mit Verlusten unter der Zivilbevölkerung verbunden sind“, einzustellen und Friedensverhandlungen einzuleiten.

 

20. Dezember: Die britische Regierung hatte der staatlichen Rundfunkgesellschaft BBC (British Broadcasting Corporation) die Erlaubnis erteilt, eines ihrer drei Programme fast ausschließlich mit Schlagern und Beat-Musik zu gestalten.

 

24. Dezember: In Vietnam hatte für 48 Stunden Waffenruhe geherrscht. Zuvor hatte US-Präsident Lyndon B. Johnson einen Appell von Papst Paul VI. und UNO-Generalsekretär Sithu U Thant zur Verlängerung der Kampfpause abgelehnt.

 

25. Dezember: Die Weihnachtstage standen in den Niederlanden im Zeichen andauernder Demonstrationen von Jugendlichen, Geistlichen und Künstlern, die gegen die Interventionen der USA in Vietnam protestierten.

  

  

Was 1966 in den Charts der USA vertreten war

Top 10 Hits 1966 der Billboard Charts:
01. Sgt. Barry Sadler - The Ballad of the Green Berets
02. The Association - Cherish
03. The Righteous Brothers - You're My Soul and Inspiration
04. The Four Tops - Reach Out I'll Be There
05. ? and The Mysterians - 96 Tears
06. The Monkees - Last Train to Clarksville
07. The Mama's and The Papa's - Monday, Monday
08. The Supremes - You Can't Hurry Love
09. Johnny Rivers - The Poor Side of Town
10. The Mama's and The Papa's - California Dreamin'

  

Die 12 Nummer-eins-Single-Hits in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1966

The Rolling Stones - Get off of My Cloud

Drafi Deutscher - Marmor, Stein und Eisen bricht

Chris Andrews - Yesterday Man

Roy Black - Ganz in Weiß

The Rolling Stones - 19th Nervous Breakdown

Nancy Sinatra - These Boots Are Made for Walkin’

Freddy Quinn - Hundert Mann und ein Befehl

The Beach Boys - Sloop John B

The Beatles - Paperback Writer

Frank Sinatra - Strangers in the Night

The Beatles - Yellow Submarine

Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich - Bend It

  

Die 7 Nummer-eins-Album-Hits in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1966:

Esther & Abi Ofarim – Neue Songs der Welt

The Rolling Stones – Bravo Rolling Stones (Hör Zu)

Esther & Abi Ofarim – Neue Songs der Welt

The Beatles – Rubber Soul

The Rolling Stones – Aftermath

The Beatles – Revolver

Esther & Abi Ofarim – Das neue Esther & Abi Ofarim Album

  

Die DDR Jahreshitparaden

Hitparaden nach Verkaufszahlen - so wie wir sie aus der BRD und gesamtdeutsch seit 20 Jahren kennen - gab es in der DDR nicht. Das hatte vielerlei Gründe. U.a. war die Begrenzung des Rohmaterials (Vinylacetat) ein Grund, denn es wurden nicht von allen Platten die gleiche Stückzahl gepresst. Ein Beispiel ist die Platte "Rock'n Roll Music" von den Puhdys, die insgesamt 1.000.000 Mal über den Ladentisch ging. Die "LP des Jahres" mit dem Titel "I.L.D." von der Gruppe Rockhaus jedoch nur ca. 20.000 Mal. Außerdem bekam nicht jeder Musiker die Gelegenheit, seine Lieder als Single zu veröffentlichen. Viele Lieder wurden über das Radio zu Hits, denn sie wurden als Rundfunkproduktionen im Radio gespielt ("Rundfunkauskopplungen" statt "Singleauskopplungen"), aber nicht auf Platte (oder erst später) veröffentlicht. Da half man sich als Musikfreund mal schnell selbst, legte sich einen Cassetten-Recorder (z.B. "Sonett", "SKR 700" oder "Geracord") zu und schnitt die Musik am Radio mit. Das ging auch ganz prima, denn im DDR-Rundfunk wurden die Lieder "mittschnittfreundlich" ausgespielt. Das kennt man heute kaum noch, denn jeder Radio DJ sabbelt schon am Anfang des Liedes rein und tut das auch am Ende. Darum waren Verkaufszahlen nicht relevant, und die Leute, die sich Lieder am Radio mitgeschnitten haben, ließen sich nicht zählen. Darum gab es im Radio und im TV Wertungssendungen wie z.B. “Tip-Disko” und die “Beatkiste” (beide auf dem Sender "Stimme der DDR", oder das “DT Metronom”. Aus allen Wertungssendungen wurden dann die "Hits des Jahres" bzw. die "Jahreshitparade" ermittelt.

  

Was 1966 in den UK Charts vertreten war

Top 10 Hits 1966 der UK Charts:

01 Jim Reeves - Distant Drums

02 Frank Sinatra - Strangers In The Night

03 The Beatles - Yellow Submarine / Eleanor Rigby

04 The Four Tops - Reach Out I'll Be There

05 Nancy Sinatra - These Boots Are Made For Walkin'

06 The Walker Brothers - The Sun Ain't Gonna Shine Anymore

07 Tom Jones - Green Green Grass Of Home

08 The Kinks - Sunny Afternoon

09 The Troggs - With A Girl Like You

10 Manfred Mann - Pretty Flamingo

  

Die Top-20-Single-Hits in den Niederlanden im Jahr 1966

01 The Rolling Stones - Paint It, Black

02 Mamas & the Papas - Monday Monday

03 Frank Sinatra - Strangers In The Night

04 The Beatles - Paperback Writer

05 The Beach Boys - Sloop John B.

06 The Troggs - Wild Thing

07 The Searchers - Take It Or Leave It

08 The Motions - Why Don't You Take It

09 Crispian St. Peters - The Pied Piper

10 The Hunters - Russian Spy & I

11 Simon & Garfunkel - I Am A Rock

12 Les Baroques - I Know

13 Percy Sledge - When A Man Loves A Woman

14 Q65 - The Life I Live

15 Bob Dylan - Rainy Day Women nos. 12 & 35

16 The Kinks - Sunny Afternoon

17 The Who - Substitute

18 Roy C - Shotgun Wedding

19 The Animals - Don't Bring Me Down

20 Lovin' Spoonful - Did You Ever Have To Make Up Your Mind