14.07.2017 Ausstellung und Festivalground

  

Der Freitag begann früh mit der Vorbereitung der Ausstellungsräume. Wir waren gespannt, wie viele sich wohl auf den Weg zu Chatos Vortrag machen würden, da das Thema recht speziell war und sich vorwiegend an Musiker richtete. Die ersten Besucher kamen schon deutlich vor „Öffnung der Tore“.

  

Nur wenige Zuhörer waren Musiker, aber Chato wusste mit seiner sympathischen Art, viel Wortwitz und originellen Erklärungen alle bestens zu unterhalten. Gerade die Beispiele aus Zappas Werk, die er bis ins Detail auseinanderfrickelte und alle mit erstaunlichen Informationen konfrontierte, begeisterten.

Die Ausstellung war ja schon oft sehr gut besucht, aber was sich hier zum Interview mit Moon abspielte, war schon ein wahrer Menschenauflauf. Wir wussten gar nicht, wieviel Leute gleichzeitig in die Räume passen. Nun, gefühlt war das ein einziger großer Fleischklops, so eng und dicht beieinander standen die Leute. Leider nutzte das jemand, um ein Ausstellungsstück mitgehen zu lassen. Viel Spaß du Sack mit dem geklauten Zappa Badehandtuch!!! Das gehört immer noch Dieter!!!

Natürlich bekam niemand mit, dass bis tief in die Nacht an der Videoleitung gebastelt wurde. Ursprünglich war eine Skype Übertragung geplant, die Moon jedoch verständlicher Weise ablehnte, da somit ihre IP-Adresse offengelegt worden wäre. Also musste eine Alternative her, das Programm dafür installiert werden und vor Allem eine vernünftige WLAN-Verbindung hergestellt werden. Keine Ahnung wie Thomas Weller und Dieter das hinbekommen haben, aber es funktionierte.

Anschließend stellte Andrew Greenaway sein neues Buch vor, in dem er sämtliche Interviews zusammengefasst hat, die er mit ehemaligen Zappa-Musikern führte.

 

From Zappa's own family (including his eldest son, Dweezil), through to members of the Mothers of Invention (Jimmy Carl Black, Roy Estrada & Don Preston), his major discoveries (like Steve Vai, Warren Cuccurullo & Terry Bozzio) and the musicians who played in his last touring band (such as, Ike Willis, Scott Thunes and Mike Keneally).

 

Frank Talk gives an extraordinary insight into this musical genius that is piled on in layers. With Greenaway’s recognised knowledge of Zappa this book will undoubtedly complement his previous title and be every bit as revered. 
 
ISBN: 978-1-908724-67-0 / Paperback: 234 x 153 mm, 256pp

Endlich aufs Festivalgelände. Als wir ankamen, spielten schon Theo and The Wrist Band aus Rumänien. Klasse, der Sänger! Auch die Band machte einen prima Job. Und … auch hier startete die Zappanale mit Musik des Meisters, geradezu ein „Hallo wach!“ für alle angereisten. Und das waren viele. Noch nie habe ich an einem Freitagnachmittag ein so gut gefülltes Festivalgelände gesehen. Klar: Dweezil zog … und wie! Gut 500 Karten wurden im Vorverkauf mehr abgesetzt als üblich.

Eines meiner "Sorgenkinder" in diesem Jahr waren Frustice. Jan Klare am Basssaxophon ist nämlich Dirigent von The Dorf, also mitverantwortlich für das in meinen Ohren chaotische Getöse im letzten Jahr. Aber schon von Weitem hörte ich erstaunlich schöne Töne, die mir von der Mystery Stage entgegenkamen. Und das war wirklich spannend, was der Jan da mit dem Alex Schwers am Schlagzeug produzierte. Oft bildeten ein paar eingespielte Saxophonloops den Soundteppich für jazzige Kompositionen / Improvisationen (wer weiß das schon?), die Alex nicht nur mit imponierender Technik am Schlagzeug begleitete, sondern zeitweise mehr oder weniger dominierte.

Und nun wurde es hektisch: Gerade hatten wir uns hingesetzt, um ein wenig auszuruhen, bevor es mit der Kazutoki Umezu Kiki Band losging, da rief uns Dweezils Manager an und ließ uns wissen, dass Dweezil gerne um 19.00 Uhr die Ausstellung besichtigen möchte. Es war gerade kurz vor 18.00 Uhr und wir brachen umgehend auf. Was kann nicht alles passieren? Der Molli entgleist, ein Unfall, Stau in Bad Doberan, der Himmel fällt auf die Erde? Wir wollten kein Risiko eingehen!

 

Robert und Dieter holten Dweezil Zappa mit seiner Frau Megan und seinem Manager ab, ich erwartete sie mit Helmut in der Ausstellung ... und wartete ... und wartete ... Schließlich kamen sie. Etwas verspätet, weil die drei erst einmal die Zappa Statue besuchten und kräftig an deren Nase rubbelten.

Foto: Dieter Jakob

Eine Stunde blieben die drei in den Ausstellungsräumen und nahmen alles begeistert auf, was es hier zu sehen gab. Dweezil ließ es sich auch nicht nehmen, in der Kindermalecke ein Bild von Helmut zu kolorieren. Nachdem er es selbst noch mit einem eigenen Motiv verschönerte, war unser Helmut King stolz wie Oskar, als er es schließlich signiert zurück erhielt.

Und was bedeutet nun dieses "Zappapalooza"?

In der Augustausgabe 2006 des Magazins "Guitar World" sagte Dweezil in einem Interview:

"Menschen, die Franks Musik mögen, sollten unbedingt andere Leute treffen können, die ebenfalls diese Musik mögen ... Ich würde mich freuen, wenn sich alle an einem Ort treffen und sich dabei wohl fühlen. Erst könnten mehrere Coverbands spielen und am Ende würde Zappa Plays Zappa den Abend abrunden. Es könnte einfach unsere eigene Zappapalooza sein."

 

Ich bin mir sicher, dass Dweezil in Bad Doberan den richtigen Ort für seine Zappapalooza gefunden hat, nur dass sie hier dank Sale schon lange Zappanale heißt.

So viel also zu Kiki Band. Nun gut, man kann nicht alles haben :-))  Aber wir kamen gerade noch rechtzeitig zur Galopprennbahn zurück, um noch ein paar Takte von The Untouchables mitzubekommen. Ehrlich gesagt, war ich aber noch zu beseelt von Dweezils Besuch. Mein größter Wunsch war damit in Erfüllung gegangen. So ganz war ich also noch nicht aufnahmebereit für Valentina und Benjamin,aber es war genau die richtige Musik, um wieder etwas runterzukommen und sanft auf der Erde zu landen.

Das wollte ich keinesfalls verpassen: Paul Green´s Rock Academy spielten zum letzten Konzert des heutigen Tages auf der Mainstage. Ich fand es einfach nur großartig. Ein sehr originelles Repertoire aus erlesenem Zappamaterial wurde mit so viel Spiel- und Lebensfreude geboten, dass auch die/der Letzte mitgerissen wurde. Als dann noch Ike Willis und Denny Walley dazu kamen, war die Stimmung so ausgelassen unter den Besuchern, wie man es selbst hier in dieser Intensität nur selten erlebt.

Mein erster Zappanaletag auf dem Festivalgelände war damit beendet. Ich kenne das ja schon ein paar Jahre, dass die letzte Band auf der Mystery Stage ohne mich auskommen muss. Die Yellow Snow Crystals hatte ich hier ja auch schon zweimal in den Vorjahren gesehen ... also konnte ich beruhigt meinen Matratzenhorchdienst antreten.