15.07.2017 Ausstellung und Festivalground

Heute war also der große Tag! Dweezil hat ein dreistündiges Konzert angekündigt und wohl nicht nur ich konnte dieses Ereignis kaum erwarten. Unfassbar und vor einiger Zeit schier unvorstellbar, dass es zu diesem Auftritt ausgerechnet bei der Zappanale kommt.

 

Aber das hat eine witzige Vorgeschichte: Am 13. Februar 2016 schrieb ich an den Vorstand der Arf Society, dass Dweezil Zappa am 19. Juli 2016 in Lörrach spielt, also nur zwei Tage nach der Zappanale. Dass Dweezil nach 2009 erstmals wieder in Deutschland spielt, war einzig dem Umstand zu verdanken, dass die Amis der Meinung waren, Lörrach liege in der Schweiz. Deutschland hätte wegen des verlorenen Rechtsstreits gegen die Arf Society niemals auf dem Spielplan gestanden, da im Extremfall sogar mit einer Taschenpfändung hätte gerechnet werden müssen. Die Kosten hatte ja die Klägerin zu tragen gehabt. Von dort kam jedoch nie ein Cent.

 

Mein Vorschlag war, kackfrech einfach mal anzufragen und auf die Reaktion gespannt zu sein. Schon am nächsten Tag erhielt ich die Rückmeldung: Wir kümmern uns. Am 24. Februar kam es zum Kontakt mit Dweezils Management und ein Gagenangebot wurde unterbreitet. Am 17. März dann die Info: Dweezil kann in diesem Jahr aus terminlichen Gründen nicht, ist aber für die Zappanale #28 vorgebucht. Am 26. November dann die offizielle Ankündigung: Dweezil Zappa ist Headliner der Zappanale #28.

 

Schon zur Zappanale #25 schrieben Dieter, Robert und ich im Buch "We Are The Other People": Die Türen sind nicht verschlossen... und nun war tatsächlich eine für den Verein, den Veranstalte und die Fangemeinde ätzende Zeit beendet, die viel Kraft und Nerven gekostet hat ... so let the good times roll!!!

 

Aber bis zu Dweezils Auftritt um 21.oo Uhr war noch viel Zeit...

Zunächst hatten wir einen wunderbaren Auftritt von Caballero Reynaldo in der Ausstellung. Es fanden sich nicht nur Gäste der Zappanale ein. Auch ein paar Doberaner fanden den Weg zu diesem Konzert und die waren restlos begeistert. Auch ich meine, dass dies einer der schönsten Momente war, der jemals während einer Ausstellung passierte.

 

Danach war ein Rundgang durch ihren Teil der Ausstellung mit Ilse Ruppert geplant. Sie wollte einige Anekdoten zu ihren Begegnungen mit Frank Zappa zum Besten geben. Leider zog sie es vor, bereits am gestrigen Tag abzureisen.

 

Aber wir sind ja flexibel und dankenswerter Weise gilt das auch für Chato, der kurzerhand einsprang und einen zweiten Teil seines Themas "Warum klingt Zappa nach Zappa" vortrug. Auch diese improvisierte Veranstaltung kam vor reichlich Publikum prima an.

An der Galopprennbahn waren wir gerade so eben pünktlich zum Meet & Greet mit Dweezil Zappa angekommen. Das brechend volle Stage Tent tobte. Unser Headliner wurde euphorisch empfangen und alle spürten, dass dies ein ganz besonderer Moment war. Dweezil brachte es denn auch auf den Punkt:

"I wouldn´t be here if Gail was here!"

 

Zum Bild: Nein, ich stand nicht dierekt neben Dweezil und Jim. Ich fand noch nicht einmal Platz im Stage Tent. Das Foto entstand durch eine geöffnete Seitenwand des Zeltes. Man muss sich nur zu helfen wissen :-)

Zeit für etwas Musik. Polka Streng spielten auf der Mystery Stage. Ihr Motto: "Polka Streng plays strictly Zappa". Und das ganz im Stil böhmischer Polka. Nachdem sie sich im Backstagebereich mit einem Landler einsangen, überraschten sie mit ihren eigenwilligen Interpretationen all jene, die diese Band zum ersten Mal sahen. Ich gebe zu, mir gab das diesmal garnichts. Der Überraschungseffekt war einfach nicht da, nachdem ich sie bereits bei der Zappanale #24 sah. Damals fand ich es echt witzig und ich hatte viel Spaß an ihrer Musik. Nun kam es mir so vor, als hätte ich sie gerade erst gestern gesehen.

01 MEDLEY 1: Parts of: America Drinks & Goes Home, Oh No, Slavonicka-Polka (Vladimir Fuka), Poofter's Froth, Wyoming Plans Ahead, Uncle Meat, Love Of My Life
02 MEDLEY 2: Parts of: Broken Hearts Are For Assholes, Florentine Pogen, Holiday In Berlin, King Kong
03 'Ich bin hier, wir sind hier, ihr seid hier'
04 MEDLEY 3: Parts of: Camarillo Brillo, New Brown Clouds, (Son Of) Mr. Green Genes, Joe's Garage, Lemme Take You To The Beach, Sofa No. 1
05 'Zappa-Franz und Sefcik-Johann'
06 What's New Baltimore?
07 MEDLEY 4: Parts of: Big Swifty, (More) Trouble Everyday, Echidna's Arf (Of You)
08 'Concert for Clarinet and Lower Austrian Brass Orchestra'
09 MEDLEY 5: Intro To Music For Low Budget Orchestra, Parts of: Catholic Girls, Easy Meat
10 MEDLEY 6: Parts of: I'm The Slime, Jewish Princess, Zomby Woof, Nanook Rubs It
11 MEDLEY 7: Parts of: Brown Shoes Don't Make It, What's The Ugliest Part Of Your Body, drum solo, Let's Make The Water Turn Black, Take Your Clothes Off When You Dance (quote), Advance Romance (quote), Muffin Man, Billy The Mountain (quote), Montana
12 Unsere Pauline (trad. Polka from Bohemia / Hajek)
 

Line-up:
Ernst Dworski - trumpet, vocals
Werner Köckeis - trumpet, vocals
Max Stallybrass - baritone sax, clarinet, bass clarinet, vocals
Manfred Jüngling - guitar, vocals
Reinhard Lamprecht - bass, vocals
Franz Maurer - drums, xylosynth, vocals

Ab und zu finden die sogenannten "Red Sofa Interviews" statt, bei denen sich Jim Cohen bemüht, spannende Informationen aus Musikern und in diesem Fall Robert Davidson herauszukitzeln. Davidson knipste einst das berühmte Klofoto und erzählte schon bei der Zappanale #21 ausführlich darüber. So war die einzig nennenswerte Information die, dass er endlich wieder in den Besitz seiner Negative kam ... über ebay! Er zeigte uns diese Bilderserie und wir sahen alle zum ersten Mal die anderen Aufnahmen dieser Session.

Der Rest seiner Erzählungen war so spannend, dass sich selbst Jim mehr um den noch verbliebenen Rest in seinem Bierbecher Sorgen machte.

Seit Jahren kam immer malwieder der Vorschlag, Hildegard lernt fliegen bei der Zappanale spielen zu lassen. Nun hat es endlich geklappt. Und das hat sich wirklich gelohnt. Sie machen irgendwie sowas wie Jazz. Sie selbst beschreiben es so:

 

"Man kauft ein Ticket und erwartet ein Konzert, doch was man bekommt ist ein theatralischer

Anschlag auf das Musikverständnis, eine Dada-Party, eine einzige Aufregung".

 

Und es wurde in der Tat das versprochene famose Chaos. Endlich mal wieder neue Töne bei der Zappanale. Das machte nicht allen Spaß, nicht jede/r mag (Free-)Jazz. Aber die Masse der Besucher erfreute sich an diesem Spektakel. Und auch die Hildegards waren glücklich darüber, hier den optimalen Platz dafür gefunden zu haben, ihre doch recht "andere" Musik zu spielen.

Mag sein, dass es ein Fehler war, aber nun brauchte ich eine kleine Auszeit. Daher verpasste ich das Studio Dan Project. Aber als Studio Dan spielten sich ja auch morgen und so war ich der Meinung, dass dies ein guter Moment war, etwas zu essen und auf die um 21.00 Uhr angesetzte Show des Festivals zu warten.

Kurz und knapp: Dieser Auftritt von Dweezil und Band war eine Sensation! Kein Vergleich zu den Shows, die ich 2007 und 2009 sah. Damals verließ ich die Konzerte mit dem Eindruck "Just another Zappa Cover Band". Mit z. T. Note für Note und authentischem Gitarrensound kam das zu Gehör, was viele erwarteten, aber Dweezil brachte auch eigene Arrangements ein, sehr modern gespielte Versionen, die frisch und originell das Vermächtnis seines Vaters in die Neuzeit überträgt und weiterleben lässt. Hier die Monster-Setlist:

 

Filthy Habits, Help I'm A Rock > Transylvania Boogie, It Can't Happen Here, You're Probably Wondering Why I'm Here, Harry You're A Beast > Orange County Lumber Truck, Lemme Take You To The Beach, How Could I Be Such A Fool?, Who Are The Brain Police?, What Will This Evening Bring Me This Morning?, She Painted Up Her Face, Half A Dozen Provocative Squats, Flower Punk, Inca Roads, Holiday In Berlin, The Meek Shall Inherit Nothing, Teenage Wind, Montana, Zomby Woof, Black Napkins, Apostrophe, Doreen, You Are What You Is, Echidna's Arf, Fembot In A Wet T-Shirt > On The Bus, Keep It Greasy, Watermelon In Easter Hay


encores: Cosmik Debris, City Of Tiny Lites, Outside Now, Don't Eat The Yellow Snow, Rollo, Muffin Man

 

Das Line-Up bestand aus:

 

Dweezil Zappa - guitar
Cian Coey - vocals
Scheila Gonzalez - keyboards, sax, flute, vocals
Chris Norton - keyboards, vocals
David Luther - sax, keyboards, guitar, vocals
Kurt Morgan - bass, vocals
Ryan Brown - drums

 

Ich gebe es ehrlich zu: Als Dweezil zu seinem Solo bei Inca Roads ansetzte, lief es mir heiß und kalt den Rücken runter und ich musste mir eine Träne aus dem Auge wischen. Selbst jetzt, wo ich das hier schreibe, kommen diese Gefühle wieder hoch.

 

Als dann speziell für den Veranstalter Wolfhard Kutz (seine erste Zappa-Scheibe war Burnt Weenie Sandwich) Holiday In Berlin erklang, dacht ich mir: Wow, da hat er sich echt kein leichtes Material ausgesucht. Und die Band spielte es perfekt!

 

Nach dem Konzert stand für mich eines fest: Watermelon darf hier auf diesem Grund und Boden nie wieder gespielt werden, es sei denn von Dweezil selbst. So, wie er es spielte, ist es seit dem 15.07.2017 heilig!!!

P.S.: Hi Dweezil, danke, dass Du Dich über unser Buch gefreut hast!

Robert, Dieter und ich wünschen Dir viel Spaß damit...

Was sollte jetzt noch kommen? Zwar spielte Caballero Reynaldo auf der Mystery Stage das Gute-Nacht-Konzert, aber das soeben Erlebte wollte ich einfach mal so stehen und nachwirken lassen. Also genug für heute, morgen wird ein harter Tag...