16.07.2017 Ausstellung und Festivalground

Das war ein schöner Start für einen Sonntagmorgen: Valentina Scheldhofen Ciardelli (Italien) und Benjamin Boo (Singapur) spielten Teile ihres Programms "Baby Snakes bis Jesus Joy" in der Ausstellung. Bereits am Mittwoch spielten sie in der St. Katharinenkirche in Hamburg das Auftaktkonzert zur Zappanale und am Freitag auf der Mystery Stage.

 

Ca. 1,5 Wochen vor der Zappanale flog Benjamin für Proben aus Singapur nach Italien, übte dort auf Leihinstrumenten mit Valentina 12 Stunden täglich und schlief im Proberaum. Für Benjamin war das eine echte Herausforderung, zumal er bis dahin lediglich "The Black Page" drauf hatte. Mit weiterem Zappamaterial war er bis zu diesem Zeitpunkt kaum vertraut. Kennengelernt hatten sich die beiden übrigens im Rahmen ihres Studiums in London.

 

Als Valentina ihm dann noch sagte, sie hätte gerne "Brown Shoes" im Repertoir, reagierte er ziemlich geschockt mit "Oh No!". Das war eine Nummer, die er sich auf keinen Fall zutraute. Aber Valentina blieb stur und ich denke, es hat sich gelohnt. Gerade dieser Titel riss alle zu Beifallsstürmen hin.

Tracklist: Peaches en Regalia, Oh No, Igor´s Boogie, We Are Not Alone, Jesus meine Freude (J. S. Bach), What´s The Ugliest Part Of Your Body, Opalamonio (V. S. Ciardelli), Brown Shoes Don´t Make It, Little Umbrellas, Baby Snakes, Blessed Relief, Cletus Awreetus Alrightus (alle Arrangements: V. S. Ciardelli).

Anschließend hielt Frank Wonneberg einen seiner hochinteressanten Vorträge, die in jedem Jahr das Ausstellungsprogramm abschließen. War ich zunächst der Meinung eigentlich schon alles zu seinem Thema "Läther" gehört und gelesen zu haben, wusste Frank wieder einmal mit etlichen interessanten Informationen zu überraschen.

 

Sein Vortrag befasste sich mit der Veröffentlichungsgeschichte, Hintergründen der Produktion, alle Versionen und Masterings, Pressearbeit und ausführlich mit dem Rechtsstreit. Am Ende seines Vortrags zeigte er uns noch folgende Scheibe, die auch in meiner Sammlung noch fehlt:

Nun begann der Teil des Festivals, der am wenigsten Spaß macht. Die gesamte Ausstellung musste abgebaut und die Räume für die dort üblich stattfindende Bad Doberaner Kunstausstellung wieder hergerichtet werden.

 

Das war in diesem Jahr besonders aufwändig, da Helmuts Musikinstrumente und Skulpturen äußerst sicher verpackt werden mussten. Zudem galt es, sämtliche Exponate aus den Bilderrahmen und Vitrinen herauszunehmen, auf Stapel der jeweiligen Eigentümer (nahezu ausschließlich Dieter und Robert) zu sortieren, Bänke in den Keller zu bringen, Poster abzunehmen usw. Ein Riesendank an diesert Stelle an Detlef Pawelski und sein Team, die Vitrinen rückten, Bänke schleppten und Regale hin und her schoben.

 

Gegen 17.30 Uhr waren wir endlich soweit, dass wir uns auf den Weg zur Rennbahn machen konnten. Das bedeutete wieder einmal, dass wir Programm verpassten, auf das wir uns eigentlich gefreut hatten. Marcel Duchamp und Chato! (mit Ausrufezeichen ist´s die Band rund um Chato Segerer) waren das schon recht harte Verluste.

 

In strömenden Regen kamen wir an, setzten uns mit ner Bratwurst in der Hand unter ein Regendach auf dem Festivalgelände und hörten im Hintergrund Studio Dan. Zwar bekamen wir die Begeisterung mit, mir selbst waren jedoch die vielen eingestreuten schrägen Passagen doch etwas aufgesetzt. Weniger wäre wirklich mehr gewesen. Vor vier Jahren war´s doch auch ganz nett. Diesmal mussten sie scheinbar vor dem Zappanalepublikum zur Schau stellen, wie "zappaesk" (ich habe immer noch keine Ahnung, wie und wann dieser Begriff Verwendung finden kann/darf/soll) Studio Dan ist oder sein kann.

kann man so spielen ... muss man aber nicht!

Zum Glück hörte der Regen auf und ich konnte meine Kamera wieder rausholen, als es zur Abschluss-Session kam.

 

Ach wie schön war es doch vor 10 Jahren, als die Goodbye Session noch eine Solche war. Da kamen Musiker aller noch bis Sonntag verbliebenen Bands auf die Bühne und spielten im Wechsel mit anderen Bandmitgliedern nochmal locker flockig auf. Das ergab manchmal etwas Chaos, aber es gab dabei auch magische Momente.

 

Diese Momente gab es in den letzten Jahren immer weniger. Getoppt wurde das in diesem Jahr dadurch, dass ausschließlich die Rock Academy mit zeitweiser Unterstützung von Ike Willis aufspielte. Auch Paul Green griff selbst einmal zur Gitarre. So war dieses Goodbye die dritte Show von Pauls Schülern aber beim besten Willen keine Session. Unabhängig davon hat´s wieder mal Spaß gemacht, diese jungen Talente zu beobachten und zu hören.

 

Ganz für sich alleine stand Wolfhard in der Menge und blickte zufrieden auf die Zappanale #28 zurück ... und womit? Mit Recht!!!

Wolfhard Kutz, zusammen mit der Arf Society Veranstalter der Zappanale

Wenn morgen die letzten Besucher der Zappanale den Heimweg antreten, verpacken wir die Ausstellungsgegenstände in den Transporter und unsere PKW. Spätestens um 12.oo Uhr wollen wir damit fertig sein, da dann teilweise bis zu 800 Kilometer vor uns liegen. Also schnell noch ein bleifreies Bierchen und ab dafür. Das Jazzprojekt Hundehagen spielte zum Abschluss des Festivals auf der Mystery Stage, als wir schon im Bett lagen.